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React-Native-Apps: Mit oder ohne Scala?

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Für unser Produkt innCart benötigten wir eine mobile App für Android und iOS. Aufgrund der guten Erfahrungen mit React-Native haben wir uns für dieses Framework entschieden. Da unser Backendservice in Scala programmiert wird, galt es zu evaluieren, ob wir bei der Programmierung auf Scala mit ScalaJS setzen. Dieser Artikel soll das Ergebnis darstellen.

React-Native

Das JavaScript-Framework "React" von Facebook ist neben Angular eines der beliebtesten und spannendsten Frameworks für Webapplikationen, die es derzeit in der JavaScript-Welt gibt.

React bietet mit der Ausprägung "React-Native" auch die Möglichkeit Mobile Apps in JavaScript zu schreiben - und zwar plattformübergreifend! Dies funktioniert in der Praxis so gut, dass zahlreiche Hersteller Ihre Apps mit dieser Technologie umsetzen. Facebook, Instragram, Airbnb oder auch MieterCast sind nur einige der bekannteren Beispiele. Auch die Community rund um React-Native wächst derzeit stark an. Es gibt mittlerweile für fast alle Bedürfnisse Bibliotheken und Beispiele. Und wenn es doch mal zu einem Problem kommt, hilft die React-Native Usergroup in München weiter.

Eigentlich alles super - wäre da nur nicht JavaScript! Mit ES6 hat sich JavaScript zwar wieder ein großes Stück in die richtige Richtung bewegt, aber für größere Projekte wünscht man sich die Vorteile einer typisierten Sprache, auf die nachfolgend noch näher eingegangen wird.

Scala

Als Alternative zu TypeScript haben wir Scala genauer unter die Lupe genommen. Beide Sprachen ermöglichen eine typisierte Entwicklung. Der TypeScript bzw. Scala Sourcecode wird nach JavaScript transcompiliert und ist somit von jedem Browser interpretierbar und in Kombination mit React-Native auch als Smartphone App nutzbar. Wie eingangs erwähnt lassen wir TypeScirpt außen vor und beschäftigen uns nur mit der Frage, ob es für uns Sinn macht, bei der App-Entwicklung in React-Native auf Scala zu setzen oder stattdessen lieber direkt in JavaScript zu entwickeln.

Um Scala-Code nach JavaScript zu übersetzen ist der Transcompiler Scala.js notwendig. Damit man in Scala auch React-Native verwenden kann, haben wir das Framework SRI (Scala React Interface) verwendet. In folgender Grafik wird der Technologie-Stack mit Scala (links) und ohne Scala (rechts) dargestellt:

ScalaJS vs JavaScript React-Native Stack 

Nach einer ausgiebigen Versuchsreihe mit der Verwendung von Scala in Kombination mit React-Native haben sich folgende Vor- und Nachteile herauskristallisiert:

 

Vorteile

Starke Typisierung

Die Unterstützung von Typen, Klassen und Interfaces (bzw. Traits) wirkt sich besonders bei großen Projekten in Form von robusterer und besser wartbarer Software aus. Des Weiteren ist durch die Typisierung eine bessere IDE-Integration möglich, was erheblich zum Komfort bei der Entwicklung beiträgt und ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.

Optimierter JavaScript-Code

Der Scala.js-Compiler optimiert den bei der Übersetzung den JavaScript-Output. Dies ergibt in der Regel eine bessere Performance.

Scala als Sprache für Back- und Frontend

Speziell bei innFactory setzen wir für Cloud- und Serveranwendung zunehmend auf Scala. Mit Scala und React-Native könnten wir ein Teil dieses Know-Hows auch in der Frontendentwicklung der mobilen Clients nutzen.

 

Nachteile

Viele Abhängigkeiten

Wie die obige Grafik zeigt, ergeben sich neben React-Native noch zwei zusätzliche Abhängigkeiten, Scala und SRI. Zudem kommen noch externe Bibliotheken hinzu, die für Scala angepasst werden müssen. Bei einer neuen Version von nur einer einzelnen Komponente im Stack kann es zu Konflikten bei den anderen Abhängigkeiten kommen. Das Auffinden von Fehlerquellen ist nur dann leicht gegeben, wenn es sich um eine schlanke Architektur mit nur wenigen externen Bibliotheken handelt. 

Kleine Community

Da die Technologien bisher nur wenige Unterstützer auf github haben, wäre eine Einstellung des Supports ein weitaus größeres Risiko. Abgesehen von Scala.js steckt hinter dem Stack kein professioneller Support, sondern lediglich sehr gute Freizeitprojekte. Vor allem bei SRI besteht hier eine sehr große Unsicherheit, da es nur wenige Entwickler gibt. 

Benötigtes Wissen in beiden Technologien (Scala und React-Native)

Gute Scala-Entwickler sind schwer zu finden. Für React gibt es inzwischen etwas mehr. Aber Programmierer aufzuspüren, die beide Technologien beherrschen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Während die Einarbeitungszeit für einen JavaScript-Entwickler in React-Native nur wenige Tage bis Wochen beträgt, erhöht sie sich in Kombination mit Scala auf einige Monate. Für Scala-Programmierer beträgt die Zeit zum Aufbau des Know-Hows nicht ganz so lange, aber auch hier müssen die Konzepte von React, wie z.B. die Redux-Architektur, erstmal verinnerlicht werden.

 

Fazit

Für uns hat Scala einen festen Platz, wenn es um Backend- und Cloudentwicklungen geht. Die Idee mit Scala auch JavaScript zu erzeugen ist sehr spannend. Aber für das anstehende Projekt überwiegen in unserem Fall die Nachteile eindeutig. Der Technologie-Stack ist leider noch zu wackelig. Auch die Aufstockung des Entwicklerteams könnte sich als extrem schwierig erweisen. Allein letzterer Punkt würde für uns als K.O.-Kriterium ausreichen.

Wir finden, dass sich das Scala.js-Projekt in die richtige Richtung bewegt und werden es sehr genau im Auge behalten. Für unsere Produktentwicklung aber, werden wir auf reines React-Native für die App setzen und Scala als primäre Technologie im Backend verwenden.

 

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