Azure Site Recovery auf Microsoft Azure
Was ist Azure Site Recovery?
Azure Site Recovery (ASR) ist Microsofts Disaster-Recovery-as-a-Service-Lösung, die kontinuierliche Replikation von VMs und physischen Servern, orchestriertes Failover bei Ausfällen und Failback nach Recovery bietet. ASR schützt Workloads vor Rechenzentrumsausfällen, Naturkatastrophen oder Cyberangriffen durch Replikation in eine sekundäre Azure-Region oder von On-Premises zu Azure.
Im Kern unterscheidet ASR zwischen mehreren Szenarien: Azure-zu-Azure (Region-to-Region DR für Azure VMs), VMware-zu-Azure, Hyper-V-zu-Azure und Physical-Server-zu-Azure. Für VMware- und Physical-Server-Szenarien nutzt ASR seit der Umstellung auf die modernisierte Architektur agentenbasierte Replikation ohne die frühere Configuration-Server-Appliance der Classic Experience; die Classic Experience für VMware/Physical-Server-DR wurde im März 2026 endgültig eingestellt, sodass alle Neuanlagen und verbleibenden Workloads auf die modernisierte Architektur migriert sein müssen. Für Azure-VMs erfolgt die Replikation weiterhin direkt über die Plattform. Das Recovery Point Objective (RPO) liegt je nach Szenario typischerweise im niedrigen Minutenbereich.
Recovery Plans orchestrieren Failover von Multi-Tier-Anwendungen mit definierten Boot-Sequenzen, Pre- und Post-Scripts und manuellen Aktionen. Test Failover ermöglicht regelmäßige DR-Drills ohne Impact auf Production. Application-Consistent Snapshots via VSS (Windows) oder Custom Scripts (Linux) unterstützen den konsistenten Start replizierter VMs. Nach Recovery unterstützt ASR Failback zur ursprünglichen Umgebung.
Kernfunktionen
- Continuous Replication: Block-Level-Replikation mit niedrigem RPO für Azure-VMs, VMware-VMs, Hyper-V-VMs und physische Server.
- Modernisierte VMware/Physical-Server-Architektur: Agentenbasierte Replikation ohne separate Configuration-Server-Appliance; Nachfolger der im März 2026 eingestellten Classic Experience.
- Recovery Plans: Orchestrierung von Multi-Tier-Failover mit Boot-Sequenzen, Pre-/Post-Scripts.
- Test Failover: DR-Drills in isolierter Testumgebung ohne Auswirkung auf Produktion.
- Failback: Rückführung von Workloads in die ursprüngliche Umgebung nach Recovery.
- Application-Consistent Snapshots: VSS-Unterstützung (Windows) bzw. Custom Scripts (Linux) für konsistente Wiederherstellung.
Typische Anwendungsfälle
Azure Region-to-Region Disaster Recovery
Unternehmen replizieren Production-VMs zwischen zwei Azure-Regionen für Disaster Recovery. Bei Ausfall der primären Region führen sie orchestriertes Failover zur sekundären Region durch, wobei Web-Tier, App-Tier und DB-Tier in definierter Reihenfolge starten.
VMware zu Azure Migration mit DR-Schutz
Unternehmen migrieren On-Premises-VMware-VMs zu Azure mit ASR über die modernisierte Architektur. ASR repliziert VMs kontinuierlich zu Azure, ermöglicht Test-Migrationen ohne Downtime und führt finale Cutover durch. Nach Migration nutzen sie ASR für Azure-zu-Azure-DR.
Business Continuity für kritische Workloads
Geschäftskritische Anwendungen (ERP, CRM, Finance-Systeme) werden mit ASR geschützt. Recovery Plans definieren Failover-Sequenzen: zuerst Domain Controller und DNS, dann Datenbanken, dann App-Server, zuletzt Web-Frontend.
Compliance-konforme Disaster Recovery
Regulierte Industrien (Finanz, Healthcare, Behörden) benötigen dokumentierte DR-Fähigkeiten für Compliance (z.B. DORA, NIS2). ASR bietet Reporting zu Failover/Failback und Integration mit Azure Policy für Governance.
Hyper-V Modernisierung zu Azure
Unternehmen mit Hyper-V-Infrastruktur nutzen ASR für Lift-and-Shift zu Azure, um anschließend schrittweise von IaaS zu PaaS zu modernisieren.
Vorteile
- Niedriges RPO und konfigurierbares RTO für unterschiedliche Workload-Kritikalität
- Keine eigene DR-Infrastruktur erforderlich
- Regelmäßige DR-Drills ohne Produktionsauswirkungen durch Test Failover
- DSGVO-konformer Betrieb bei Wahl von EU-Regionen für primäre und sekundäre Standorte
Häufig gestellte Fragen zu Azure Site Recovery
Was ist der Unterschied zwischen Azure Backup und Site Recovery?
Azure Backup ist für Point-in-Time-Recovery einzelner Files, Volumes oder VMs mit typischerweise täglichen Backups und längerer Retention. Site Recovery ist für Near-Real-Time-Replikation ganzer VMs mit Failover-Orchestration und niedrigerem RPO. Backup dient dem Schutz vor Datenverlust, Site Recovery der Business Continuity bei Standortausfällen. Viele Unternehmen nutzen beide Dienste gemeinsam.
Wie funktioniert Continuous Replication?
ASR trackt Block-Level-Änderungen auf den zu schützenden Maschinen. Geänderte Blocks werden komprimiert, verschlüsselt und zu Azure Storage repliziert. ASR erstellt in regelmäßigen Abständen Crash-Consistent und, je nach Konfiguration, Application-Consistent Recovery Points. Bei Failover wählen Sie einen Recovery Point, und ASR startet VMs mit diesem Zustand.
Was ist mit der Classic Experience für VMware/Physical-Server passiert?
Die Classic Experience für VMware- und Physical-Server-Disaster-Recovery wurde im März 2026 eingestellt. Alle Workloads müssen auf die modernisierte Architektur migriert sein, die agentenbasierte Replikation ohne separate Configuration-Server-Appliance nutzt. Neu angelegte Recovery Services Vaults nutzen ausschließlich die modernisierte Architektur.
Welche Workloads werden unterstützt?
ASR unterstützt Windows- und Linux-VMs (Azure VMs, VMware VMs, Hyper-V VMs, physische Server). Zu den unterstützten Anwendungen zählen unter anderem SQL Server, SharePoint, Exchange, SAP, IIS und Active Directory. ASR repliziert auf Block-Ebene und ist weitgehend anwendungsagnostisch; Application-Consistent Snapshots erfordern jedoch VSS-Support (Windows) oder Custom Scripts (Linux).
Was kostet Azure Site Recovery?
ASR wird pro geschützter Instanz pro Monat abgerechnet, wobei sich der Preis danach unterscheidet, ob nach Azure oder zu einem kundeneigenen Standort repliziert wird. Zusätzlich fallen Kosten für replizierten Storage, Storage-Transaktionen, Datentransfer sowie für Compute-Ressourcen während eines tatsächlichen Failovers an. Aktuelle Preise sind der offiziellen Azure-Preisseite zu entnehmen.
Wie schnell ist Failover?
Die Failover-Geschwindigkeit hängt von der Recovery-Plan-Komplexität ab: Eine einzelne VM lässt sich in der Regel innerhalb weniger Minuten wiederherstellen, komplexe Multi-Tier-Anwendungen mit vielen VMs benötigen entsprechend länger, da Boot-Sequenzen und Post-Scripts sequenziell ablaufen. Regelmäßige Test-Failover helfen, die tatsächliche RTO für die eigene Umgebung zu ermitteln.
Ist Azure Site Recovery DSGVO-konform?
Ja, ASR kann DSGVO-konform betrieben werden, wenn EU-Regionen als primärer und sekundärer Standort gewählt werden. Microsoft bietet Datenverarbeitungsverträge gemäß Art. 28 DSGVO sowie Verschlüsselung der Daten während der Übertragung und im Ruhezustand. Ein Failover in Nicht-EU-Regionen kann Anforderungen an die Datenresidenz verletzen und sollte vorab geprüft werden.
Integration mit innFactory
Als Microsoft Solutions Partner unterstützt innFactory Sie bei der Implementierung von Azure Site Recovery. Wir helfen bei DR-Strategie, Recovery Plan Design, Migration-Planung und DR-Drill-Durchführung.
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Typische Anwendungsfälle
Technische Spezifikationen
Hinweis: Alle Produktinformationen auf dieser Seite wurden sorgfältig zusammengestellt, sind jedoch ohne Gewähr und können veraltet oder unvollständig sein. Cloud-Services entwickeln sich schnell weiter — Funktionen, Preise, SLAs und Verfügbarkeit ändern sich laufend. Verbindliche und aktuelle Informationen finden Sie ausschließlich auf der offiziellen Produktseite von Azure (offizielle Dokumentation). Diese Seite stellt kein Angebot von Azure dar.
