Die Sovereign Public Cloud ist Microsofts Ansatz, Souveränitätsanforderungen innerhalb der bestehenden Hyperscale-Regionen zu erfüllen, statt eine separate Cloud aufzubauen.
Was ist die Sovereign Public Cloud?
Microsoft beschreibt die Sovereign Public Cloud als Ansatz, die Digitalsouveränitätsziele von Regierungen und regulierten Branchen zu unterstützen und dabei die bestehenden Microsoft-Hyperscale-Regionen zu nutzen. Sie kombiniert Public-Cloud-Innovation mit zusätzlichen Kontrollen für Datenresidenz, operative Aufsicht und kundenkontrollierte Verschlüsselung.
Auf hoher Ebene setzt die Sovereign Public Cloud auf drei Schichten auf: dem Hyperscale-Fundament aus Azure und Microsoft 365, Souveränitäts-Guardrails über Policy-Initiativen und Landing Zones sowie operativer Transparenz, bei der Zugriffe auf europäische Dienste von in Europa ansässigem Personal kontrolliert und manipulationssicher protokolliert werden. Ergänzt wird das durch kundenverwaltete Schlüssel und Confidential Computing.
Für EU- und EFTA-Rechenzentren nennt Microsoft ausdrücklich zwei zusätzliche Bausteine: die EU Data Boundary und Data Guardian.
Kernfunktionen
- Data Guardian: autorisiertes, regional ansässiges Personal genehmigt und überwacht Fernzugriffe von Microsoft-Personal; alle Zugriffe werden in einem manipulationssicheren Ledger protokolliert
- External Key Management: Erzeugung, Speicherung und Verwaltung von Verschlüsselungsschlüsseln außerhalb der Microsoft-Cloud-Grenze, etwa in kundenbetriebenen oder vertrauenswürdigen Drittanbieter-HSMs
- Confidential Computing: Schutz von Daten in Verwendung durch Berechnungen in hardwarebasierten Trusted Execution Environments
- Sovereign Control Panel (SCP): einheitliche Azure-Portal-Oberfläche zum Ansehen, Verwalten und Bewerten der Souveränitäts-Posture über Tenant-Ressourcen hinweg
- Sovereign Landing Zone (SLZ): Policy-as-Code-Guardrails als Bicep- und Terraform-Implementierung
- Datenresidenz: Möglichkeit, Daten in der Region zu halten, ergänzt um Advanced Data Residency in Microsoft 365
Typische Anwendungsfälle
Öffentliche Verwaltung
Behörden auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene, die Public-Cloud-Dienste nutzen und zugleich lokale Rechtsvorgaben einhalten müssen.
Regulierte Branchen
Energieversorger, Gesundheitseinrichtungen und Finanzdienstleister, die Datenresidenz und operative Nachweisbarkeit gegenüber Aufsichtsbehörden benötigen.
Nachweispflichten gegenüber Auditoren
Organisationen, die belegen müssen, wer wann auf welche Systeme zugegriffen hat. Data Guardian liefert dafür einen unveränderlichen Prüfpfad.
Schlüsselhoheit
Umgebungen, in denen Verschlüsselungsschlüssel nachweislich außerhalb der Kontrolle des Cloud-Anbieters liegen müssen.
Vorteile
- Souveränitätskontrollen ohne Verzicht auf Skalierung, Innovationstempo und Resilienz der Hyperscale-Cloud
- Operative Transparenz durch regional kontrollierte Zugriffe und manipulationssichere Protokolle
- Schlüsselhoheit über External Key Management mit HSM-basierten Schlüsselspeichern
- Skalierbare Compliance über Policy-as-Code statt manueller Einzelkonfiguration
- Zentrale Sicht auf die Souveränitäts-Posture über das Sovereign Control Panel
Integration mit innFactory
Als indirekter Microsoft-CSP-Partner begleitet innFactory Sie beim Aufbau souveräner Azure-Umgebungen: von der Bewertung Ihrer Compliance-Anforderungen über die Auswahl der passenden Souveränitätsfunktionen bis zur Umsetzung der Guardrails als Infrastructure as Code.
Die Grundlage bildet dabei in der Regel eine sauber geschnittene Landing Zone. Wie wir dabei vorgehen, beschreiben wir im Beitrag Azure Landing Zones als Fundament für eine skalierbare Cloud-Plattform. Für Berufsgeheimnisträger ergänzt unser Beitrag zum § 203 StGB in der Public Cloud die rechtliche Perspektive.
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Typische Anwendungsfälle
Technische Spezifikationen
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet die Sovereign Public Cloud von der normalen Azure Public Cloud?
Die Sovereign Public Cloud nutzt dieselben Microsoft-Hyperscale-Regionen, ergänzt sie aber um Souveränitätskontrollen. Microsoft nennt dabei vier grundlegende Funktionen: Data Guardian für regionale Aufsicht über operative Zugriffe, External Key Management für kundenkontrollierte Schlüssel, Confidential Computing für den Schutz von Daten in Verwendung und das Sovereign Control Panel für die zentrale Bewertung der Souveränitäts-Posture.
Kostet die Sovereign Public Cloud extra?
Microsoft weist in der Dokumentation keine eigene Preisseite für die Sovereign Public Cloud aus. Es handelt sich um Souveränitätsfunktionen auf den bestehenden Azure-Regionen; abgerechnet werden die genutzten Dienste sowie gegebenenfalls Lizenzen für einzelne Bausteine. Für die konkrete Kostenbetrachtung gilt: siehe offizielle Dokumentation beziehungsweise Ihr Vertragswerk.
Wer sollte die Sovereign Public Cloud in Betracht ziehen?
Laut Microsoft sind das nationale, regionale und kommunale Behörden sowie regulierte Branchen wie Energie, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen, die in Europa tätig sind und Anforderungen an Datenresidenz, operative Aufsicht und Compliance erfüllen müssen.
Wie hängt die Sovereign Public Cloud mit der EU Data Boundary zusammen?
Microsoft beschreibt die EU Data Boundary als eine der spezifischen Souveränitätsfunktionen für EU/EFTA-Rechenzentren innerhalb der Sovereign Public Cloud. Sie sorgt dafür, dass Daten in Europa bleiben und europäischem Recht sowie europäischer Kontrolle unterliegen.
Wie werden Compliance-Vorgaben technisch durchgesetzt?
Über codifizierte Guardrails: Microsoft nennt Policy-as-Code und Landing Zones, mit denen konforme Umgebungen im großen Maßstab konfiguriert, ausgerollt und überwacht werden können. Die Sovereign Landing Zone ist dafür als Bicep- und Terraform-Implementierung verfügbar.
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