Was ist Azure SQL Database?
Azure SQL Database ist Microsofts vollständig verwaltete relationale Cloud-Datenbank basierend auf der aktuellsten SQL Server Engine. Der Service bietet Built-in Intelligence mit automatischem Tuning, Serverless Compute für variable Workloads und immer aktuelle SQL Server-Features ohne manuelle Wartung oder Patching.
Im Kern ist Azure SQL Database eine Platform-as-a-Service (PaaS)-Lösung, die Infrastructure-Management (Backups, Patching, High Availability) vollständig abstrahiert. Sie erhalten eine SQL Server-kompatible Datenbank mit T-SQL-Support, aber ohne VM-Verwaltung, OS-Updates oder Storage-Konfiguration. Microsoft garantiert 99.99% SLA (99.995% mit Business Critical Zone Redundancy) und automatische Backups mit Point-in-Time-Restore für bis zu 35 Tage.
Azure SQL Database ist in vier Tiers verfügbar: General Purpose für die meisten Workloads mit balancierter Performance und Kosten, Business Critical für niedrigste Latenz und eingebaute Read-Replicas, Hyperscale für Datenbanken bis 100 TB mit schnellen Backups/Restores, und Serverless für variable Workloads mit automatischem Pause bei Inaktivität und Auto-Scaling. Alle Tiers unterstützen vCore-based oder DTU-based Pricing.
Typische Anwendungsfälle
SaaS-Anwendungen mit Elastic Pools
SaaS-Anbieter hosten Hunderte Kunden-Datenbanken in Elastic Pools, die Ressourcen dynamisch teilen. Jeder Kunde erhält eine isolierte Datenbank, aber Compute und Storage werden über den Pool geteilt. Pools optimieren Kosten bei variablen Last-Profilen (einige Kunden aktiv, andere idle). Ein CRM-SaaS mit 500 Kunden-Tenants reduziert Datenbank-Kosten um 60 Prozent durch Elastic Pools statt dedizierter Databases per Kunde.
Mission-Critical Line-of-Business Apps
Unternehmensanwendungen (ERP, Finance, Inventory) nutzen Business Critical Tier für niedrigste Latenz (Sub-Millisecond) und Built-In Read Replica für Reporting ohne Primary-Impact. Zone Redundancy platziert Replicas in verschiedenen Availability Zones für 99.995% SLA. Ein Produktionsunternehmen betreibt sein SAP-System auf Business Critical und erfüllt RTO unter 1 Stunde.
Variable Workloads mit Serverless
Entwicklungs- und Test-Datenbanken, BI-Dashboards mit sporadischem Zugriff und Kunden-Portale mit Tages-/Nachtzyklen nutzen Serverless Tier. Die Datenbank pausiert automatisch bei Inaktivität (nur Storage-Kosten), startet bei erstem Request (Cold-Start ca. 1 Minute) und skaliert Compute automatisch basierend auf Last. Ein BI-Team reduziert Kosten für 20 Dev-Datenbanken um 70 Prozent durch Serverless.
Data Warehousing mit Hyperscale
Analytische Workloads mit Multi-TB-Datenbanken nutzen Hyperscale für schnelles Wachstum ohne Performance-Degradation. Hyperscale separiert Compute und Storage, skaliert Storage automatisch bis 100 TB und bietet mehrere Read-Replicas für parallele Queries. Backups sind instant (File-Snapshots statt Datenkopie). Ein Retail-Unternehmen analysiert 50 TB Transaktionsdaten mit Sub-Sekunden-Queries.
Migrated SQL Server Workloads
Unternehmen migrieren On-Premises SQL Server zu Azure SQL Database mit Azure Database Migration Service. Kompatibilität mit T-SQL, Stored Procedures, Triggers und Views ermöglicht Lift-and-Shift ohne Code-Änderungen. Azure Hybrid Benefit reduziert Lizenzkosten für existierende SQL Server-Lizenzen. Ein Versicherer migriert 200 SQL Server-Datenbanken und reduziert Betriebskosten um 40 Prozent.
Best Practices für Azure SQL Database
Wählen Sie vCore statt DTU für Production
vCore-based Pricing bietet granulare Kontrolle über Compute (vCores) und Storage (GB), getrennte Skalierung und Azure Hybrid Benefit-Support. DTU-based (Database Transaction Units) ist einfacher, aber weniger flexibel und teurer bei großen Workloads. Für Production und skalierbare Workloads nutzen Sie vCore-Modell.
Aktivieren Sie Zone Redundancy für kritische Databases
Zone Redundancy (verfügbar in General Purpose und Business Critical) platziert Primary und Replicas in verschiedenen Availability Zones. Bei Zonenausfall erfolgt automatisches Failover ohne Datenverlust. Die Kosten steigen um ca. 30%, aber Verfügbarkeit erhöht sich auf 99.995%. Nutzen Sie Zone Redundancy für alle produktiven Datenbanken.
Implementieren Sie Query Performance Insights
Query Performance Insights und Automatic Tuning identifizieren langsame Queries und empfehlen Indexes. Aktivieren Sie Automatic Tuning (Auto-Create Index, Auto-Drop Index) für selbst-optimierende Datenbanken. Überwachen Sie Top-Queries regelmäßig und refactoren Sie N+1-Queries und Full-Table-Scans.
Nutzen Sie Read Replicas für Reporting
Business Critical bietet Built-In Read Replica ohne Aufpreis. Leiten Sie Reporting-Queries, BI-Tools und Analytik zur Read Replica, um Primary-Datenbank von Read-Last zu entlasten. Connection-String-Parameter ApplicationIntent=ReadOnly routet automatisch zu Replica. Hyperscale unterstützt bis zu 4 zusätzliche Read Replicas (kostenpflichtig).
Backup-Retention und Long-Term Retention konfigurieren
Point-in-Time-Restore (PITR) behält automatische Backups für 7-35 Tage (konfigurierbar). Für längere Retention (Compliance, Audit) nutzen Sie Long-Term Retention (LTR) mit wöchentlichen, monatlichen oder jährlichen Backups für bis zu 10 Jahre. LTR speichert Backups in RA-GRS-Storage für Geo-Redundanz.
Geo-Replication für Disaster Recovery
Konfigurieren Sie Active Geo-Replication für asynchrone Replikation in sekundäre Azure-Region. Bei Primary-Region-Ausfall führen Sie manuelles Failover zur Secondary durch. Auto-Failover Groups automatisieren Failover und DNS-Updates für transparente Client-Redirection. RTO unter 1 Stunde, RPO unter 5 Sekunden.
Häufig gestellte Fragen zu Azure SQL Database
Was ist der Unterschied zwischen General Purpose und Business Critical?
General Purpose nutzt Remote Storage (Azure Premium SSD) mit ca. 5-10ms Read-Latency und 1-2ms Write-Latency. Business Critical verwendet Local SSD (Always On Availability Groups) mit Sub-Millisecond-Latency und inkludiert eine Built-In Read Replica. Business Critical kostet ca. 3x mehr als General Purpose. Wählen Sie GP für normale Workloads, BC für latenz-kritische Anwendungen.
Wie funktioniert Serverless und wann sollte ich es nutzen?
Serverless pausiert die Datenbank automatisch nach konfigurierbarer Idle-Zeit (1-24 Stunden) und berechnet nur Storage. Bei erstem Request nach Pause startet die Datenbank (Cold-Start ca. 30-60 Sekunden). Compute skaliert automatisch zwischen Min/Max vCores basierend auf Last. Nutzen Sie Serverless für variable Workloads, Dev/Test, sporadische BI-Dashboards. Vermeiden Sie Serverless für 24/7-Produktions-Apps (Cold-Start-Latenz).
Was ist Hyperscale und für welche Workloads passt es?
Hyperscale ist eine Cloud-Native-Architektur, die Compute und Storage separiert. Storage skaliert automatisch bis 100 TB ohne Performance-Impact, Backups sind instant (File-Level-Snapshots), und Sie können mehrere Read Replicas für Parallelisierung hinzufügen. Hyperscale eignet sich für sehr große Datenbanken (über 4 TB), schnell wachsende Databases und Read-Heavy-Workloads. Beachten Sie: Hyperscale-Datenbanken können nicht zu anderen Tiers zurück-migriert werden.
Was ist ein Elastic Pool und wann sollte ich es verwenden?
Elastic Pools teilen vCores und Storage über mehrere Datenbanken. Ideal für SaaS-Szenarien mit vielen Datenbanken (z.B. eine DB pro Kunde) mit variablen Last-Profilen. Statt jede Datenbank für Peak zu provisionieren, teilen sich alle Datenbanken Pool-Ressourcen. Sparen Sie 50-70% Kosten bei 10+ Datenbanken mit komplementären Last-Mustern (einige aktiv während andere idle).
Wie funktionieren automatische Backups?
Azure SQL Database erstellt automatisch Full Backups (wöchentlich), Differential Backups (alle 12-24 Stunden) und Transaction Log Backups (alle 5-10 Minuten). Point-in-Time-Restore ermöglicht Restore auf jede Sekunde innerhalb der Retention-Period (7-35 Tage). Backups sind Geo-Redundant (RA-GRS) standardmäßig. Backups sind kostenlos innerhalb der Datenbank-Größe, zusätzliche Retention kostet extra.
Was ist Azure Hybrid Benefit und wie viel spare ich?
Azure Hybrid Benefit erlaubt es, existierende SQL Server-Lizenzen mit Software Assurance für vCore-based Azure SQL Database zu nutzen. Sie sparen bis zu 55% der Compute-Kosten (zahlen nur Basis-Rate statt License-Included-Rate). Funktioniert für Standard und Enterprise Edition. Kombinieren Sie mit Reserved Instances für zusätzliche 30% Rabatt (total bis zu 80% Ersparnis vs. Pay-as-you-go ohne Benefit).
Kann ich Azure SQL Database in einem VNet betreiben?
Nein, Azure SQL Database läuft in Microsofts Multi-Tenant-Fabric, nicht in Ihrem VNet. Für VNet-Integration nutzen Sie Azure SQL Managed Instance (unterstützt VNet Injection, Private IPs). SQL Database bietet jedoch Private Endpoints: Sie erstellen einen Private Endpoint in Ihrem VNet, der eine Private IP für die Datenbank bereitstellt, und Traffic läuft über Microsoft Backbone ohne Public Internet.
Was kostet Azure SQL Database?
Preise variieren nach Tier, vCores und Region. Beispiel Germany West Central (vCore-based): General Purpose 2 vCores ca. 200 Euro/Monat, Business Critical 2 vCores ca. 600 Euro/Monat, Serverless 0.5-2 vCores ca. 80-200 Euro/Monat (je nach Auslastung). Hyperscale 2 vCores ca. 400 Euro/Monat + Storage (0.12 Euro/GB/Monat). Nutzen Sie Azure Hybrid Benefit und Reserved Instances für bis zu 80% Ersparnis.
Ist Azure SQL Database DSGVO-konform?
Ja, Azure SQL Database kann DSGVO-konform betrieben werden, wenn Sie europäische Azure-Regionen (z.B. Germany West Central, West Europe) wählen. Daten verlassen die gewählte Region nicht (außer bei Geo-Replication in andere Region). Microsoft bietet Datenverarbeitungsverträge gemäß Art. 28 DSGVO. Nutzen Sie Always Encrypted, Transparent Data Encryption (TDE) und Dynamic Data Masking für zusätzliche Datensicherheit.
Azure SQL Database vs. Alternativen
Bei der Wahl einer Cloud-Lösung stellt sich oft die Frage nach Alternativen. Azure SQL Database konkurriert mit vergleichbaren Services anderer Cloud-Provider:
- AWS: RDS for SQL Server, Aurora (PostgreSQL/MySQL-kompatibel)
- Google Cloud: Cloud SQL, AlloyDB (PostgreSQL-kompatibel)
Während die Funktionalität oft ähnlich ist, unterscheiden sich die Services in Pricing-Modellen, regionaler Verfügbarkeit und Integrations-Ökosystem. Azure SQL Database punktet besonders bei Microsoft-Shop-Kunden durch SQL Server-Kompatibilität, Azure Hybrid Benefit für existierende Lizenzen und tiefe Integration mit Azure-Services (Entra ID, Key Vault, Private Link).
Integration mit innFactory
Als Microsoft Solutions Partner unterstützt innFactory Sie bei der Architektur und Migration zu Azure SQL Database. Wir helfen bei Tier-Auswahl, Performance-Tuning, Kostenoptimierung und Hybrid-Szenarien.
Kontaktieren Sie uns für eine unverbindliche Beratung zu Azure SQL Database und Cloud-Datenbank-Strategien.
Verfügbare Varianten & Optionen
Serverless
- Auto-pause when idle
- Auto-scaling compute
- Pay per second
- Cold start latency
- GP tier only
General Purpose
- Balanced price/performance
- Budget-friendly
- Most workloads
- Higher latency than BC
Business Critical
- Lowest latency
- Built-in readable replica
- 99.995% SLA
- 3x cost of GP
Hyperscale
- Up to 100 TB
- Fast backup/restore
- Multiple replicas
- Higher cost
- Limited features
