Die innFactory zeichnet ein starkes Gründerteam aus. Deshalb möchten wir euch die Gründer der innFactory in kurzen Interviews vorstellen.

Portrait

Name:

Tobias Jonas, Co-Founder und CEO

Ausbildung:

Master of Science, Informatik

Lieblingszitat:

If you can dream it you can do it.

Interview

Die innFactory hat im vergangenen Monat ihr 4-jähriges Bestehen gefeiert. Wie kam es zur Idee und Gründung der innFactory im Oktober 2017? Woher kanntest du die Mitgründer Anton und Maximilian und woher wusstest du, dass Anton und Maximilian die richtigen Partner für dich sind?

Die Informatik und das Programmieren haben mich schon früh fasziniert. Ich habe mit 12 Jahren versucht mir selbst die ersten Programmiersprachen beizubringen und vereinzelnde kleinere Projekte umgesetzt. Nach meinem Realschulabschluss habe ich dann eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bei den Kliniken Südostbayern AG begonnen. In der Berufsschule habe ich damals Anton kennengelernt, der parallel eine Ausbildung zum Fachinformatiker bei den Kathrein Werken angefangen hatte. Nach der gemeinsamen Ausbildungszeit trennten sich unsere Wege, bis wir 2013 beide neben dem Informatikstudium erste unternehmerische Erfahrungen als Freelancer in einem gemeinsamen ETL Projekt sammeln konnten. Bis zum Ende meines Masterstudiums begleitete ich viele verschiedene Projekte als Cloud Engineer. Als zusätzliches weiteres Standbein und Hobby hatte ich damals dann noch die Organisation von FH Partys für mich entdeckt und war auch als DJ in der Region unterwegs. So konnte ich mich den ganzen Tag und auch die ganze Nacht mit Sachen beschäftigen, die mir Spaß machten. Über gemeinsame Freunde habe ich dann Maximilian kennengelernt und auch mit ihm einige Partys organisiert. Dass wir gut zusammenpassen könnten, war ein Bauchgefühl, was sich bewahrheitet hat. Generell sind wir drei sehr verschiedene Charaktere.

Die Idee für die innFactory GmbH war damals schon geboren und auch das Logo existierte schon seit 2015. Ich wollte ein Unternehmen gründen, das sich einerseits mit den innovativsten IT-Technologien beschäftigt und auf der anderen Seite die besten Mitarbeiter mit einer Begeisterung für Technologie beschäftigt. Jeder sollte sich in diesem Unternehmen so entwickeln können, wie es zu seiner persönlichen Lebenssituation am besten passt. Ich wollte technologisch nicht vom Management in eine Ecke gedrängt werden, sondern einfach die besten Lösungen für komplexe Probleme entwickeln.

Zu diesem Zeitpunkt war allerdings noch nicht klar, wie wir mit solch einem Unternehmen Geld verdienen können, denn wir hatten kein komplexes Problem und auch keinen einzigen Kunden. Deshalb begangen wir einen Businessplan für unsere Produktidee „croGoDeal“ zu schreiben und gewannen mit diesem sogar den Businessplanwettbewerb der TH Rosenheim. Mit unserer Idee wollten wir den Einzelhandel retten und somit den Grundstein der innFactory legen. Rückblickend war unser Produkt von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn wir beschäftigten uns viel zu wenig mit der Zielgruppe und dem Markt, sondern nur mit der Technologie. Von einem Minimal Viable Product (MVP) waren wir weit entfernt. Es war eher ein Technology Product Without Value. Aus diesen Fehlern konnten wir allerdings viel für die Zukunft lernen und obwohl wir die Produktentwicklung von „croGoDeal“ noch vor der GmbH einstellten, gründeten wir die innFactory. Gemeinsam mit der Volksbank Rosenheim Chiemsee wollten wir unser nächstes Produkt entwickeln. Dieses Mal als MVP, um auszuprobieren, wie das Produkt am Markt ankommt und welche Dinge wir für den Erfolg verändern müssen. So entstand unser RoboAdivsor „Laura AI“. Da wir dieses Mal die Vertriebszyklen und die Politik im Finanzwesen komplett unterschätzt hatten, entschieden wir uns dafür neben dem Produktgeschäft auch in das Consultinggeschäft mit den Schwerpunkten Cloud Computing und Big Data einzusteigen. Im Bereich der Consulting Dienstleistungen konnten wir dann schnell erste Erfolge feiern und unsere Aufträge wurden immer größer und das Team wuchs weiter an. Parallel entwickelten wir weitere MVP Ideen, die sich teilweise zu echten Produkten am Markt entwickelt haben. Ein Beispiel hierfür ist unsere Covid-19 Test- und Impfsoftware „Cotema“, die wir an Unternehmen wie Munich Re, Rossmann und Microsoft verkaufen konnten. Bis heute fahren wir einen Mix aus Produkt- und Dienstleistungsgeschäft und sind nach wie vor zu 100 % ohne Fremdkapital eigenfinanziert.

Wann hattest du das erste Mal die Idee ein Unternehmen zu gründen?

Mein erstes Einzelunternehmen gründete ich bereits 2013, da ich als Werkstudent in der Region nirgends die Technologie in Kombination mit der gewünschten Unternehmenskultur finden konnte, die ich mir vorgestellt hatte. Mit Cloud Computing beschäftigten sich damals noch wenige, für mich war es aber schon die Zukunft, in der ich mich persönlich entwickeln wollte. Wie bereits erwähnt wollte ich ein Unternehmen finden, dass sich einerseits mit den neuesten Technologien beschäftigt, sich aber auf der anderen Seite von Unternehmenskulturen wie bei Google inspirieren lässt. Einzig im E-Commerce gab es mit der Techdivision zu diesem Zeitpunkt ein Unternehmen, mit dessen Kultur ich mich hätte identifizieren können. Technologisch lag mein Interesse damals aber woanders. So war schnell klar, dass ich ein eigenes Unternehmen gründen muss, wenn ich all die Dinge für mich und für unser zukünftiges Team anbieten möchte.

Was wäre dein Plan B für die Zukunft gewesen, wenn du nicht gegründet hättest? Wo hättest du gerne gearbeitet?

Ich hatte keinen Plan B und war von Anfang an davon überzeugt, dass das alles irgendwie funktionieren wird.

Was waren die größten Schwierigkeiten und Hürden, die du als Geschäftsführer auf dem Gründungsweg überwinden musstest?

Die größte Hürde war sicherlich der erste Kunde bzw. die ersten Kunden, denn am Anfang hat man als Gründer weder ein Netzwerk noch vorzeigbare Referenzen.

Was würdest du in der Gründungsphase rückblickend anders machen?

Im Nachhinein würde man vermutlich vieles anders machen. Allen voran würde ich Produktideen immer gemeinsam mit einem Referenzpartner umsetzen und sie nicht monatelang im stillen Kämmerlein programmieren. Oft tut es auch ein MVP, um Feedback sammeln zu können.

Was hat dich im Bezug der Unternehmensführung besonders überrascht oder was hast du so nicht erwartet/unterschätzt?

Zu Beginn dachte ich immer, dass das beste Produkt oder die beste Technologie immer gewinnt. Mittlerweile weiß ich, dass mehr zu einem erfolgreichen Produkt gehört. Unterschätzt haben wir sicherlich alle die politischen Kräfte, die in manchen Märkten wirken.

Die innFactory hat ihr Büro im Gründerzentrum Stellwerk18 in Rosenheim. Hat der Ort der Startup-Gründung eine wichtige Rolle gespielt?

Definitiv! Wie schon erwähnt hatten wir gerade am Anfang weder Referenzen noch ein Vertriebsnetzwerk. Durch das Stellwerk18 wurde unser erster Partner und heutiger Kunde, die VR Bank Rosenheim auf uns aufmerksam. Ein besonderer Dank geht dabei auch an den heutigen 2. Bürgermeister der Stadt Rosenheim. Daniel Artmann hat uns, und auch die anderen Gründer im Stellwerk18, in seiner Zeit als Netzwerkmanager dabei unterstützt, dass wir uns selbst ein Netzwerk zu Unternehmern in der Region 18 aufbauen können. Davon konnten immer beide Seiten profitieren. So sind wir beispielsweise mit Siteco, einem unserer größten Kunden im Consulting, in Kontakt gekommen. Diese Arbeit setzt Florian Wiesböck jetzt konsequent fort. In meinen Augen eine wertvolle Institution in der Region.

Was war dein erstes Programmierprojekt und wie bist du darauf gekommen?

Ich habe mit 14 Jahren begonnen ein eigenes CMS (jDev1) zu programmieren. Dieses habe ich dann für meine erste eigene Webseite „jonas-design.net“ verwendet (auf Basis von jDev1 vom 07.03.2007). Auch im Bekanntenkreis habe ich mit diesem dann weitere kleinere Webseiten und Clanpages erstellt. Selbst meiner Mama habe ich zu Ihrem Geburtstag eine Webseite mit Gästebuch geschenkt, in das ich alle Verwandte eingeladen hatte, die dort einen kleinen Post hinterlassen sollten. Ich hatte mich von Joomla inspirieren lassen und neben einem Templateengine auch ein Pluginsystem programmiert. Es gab beispielsweise ein Newsplugin, ein AJAX Chatplugin, ein Gästebuch, ein Counter und was sonst damals noch modern war. Im Rahmen dieses Projektes konnte ich unglaublich viel über Softwareentwicklung lernen. Damals noch alles aus Büchern, denn Udemy und YouTube gab es so in dieser Form noch nicht.

Wo siehst du die größten Herausforderungen und Chancen für das Unternehmen in den nächsten Jahren? Wo siehst du die innFactory in 5 Jahren?

Ich denke mit zunehmender Größe der innFactory wird es immer schwieriger, die Unternehmenskultur so aufrechtzuerhalten, wie sie heute ist. Auch Prozesse werden zunehmend wichtiger, da alles innerhalb unserer Rahmenbedingungen funktionieren muss. Deshalb bin ich froh, dass wir derzeit die ISO9001 einführen und somit zumindest für unsere Softwarequalität einen genormten Prozess haben. Ich denke wir können in den nächsten 5 Jahren noch deutlich wachsen und Produkte in eigene Tochtergesellschaften ausgründen, wenn sie erfolgversprechend sind. Ein Mix aus Produkt und Consulting wird vermutlich nur bis zu einer bestimmten Anzahl an Personen im Team funktionieren. Derzeit mit 16 ist es noch zu handhaben, mit 25 oder 35 vermutlich schon nicht mehr.

Wie sieht aktuell deine Arbeitswoche aus?

Meine Woche ist sehr vielseitig und hat meistens noch deutlich mehr als 40h. Es ist eigentlich immer ein Mix aus Softwarearchitektur, Cloud Computing und Kommunikation mit Mitarbeitern und Kunden. Abends, soweit Corona es erlaubt, findet man mich auch häufig auf diversen Veranstaltungen beim Networking. Generell muss ich die mir unterstellten Projekte im Blick behalten, wichtige Architekturentscheidungen mitentscheiden und frühzeitig planen, wie das Team die Aufgaben umsetzen kann. Gerade in der Softwareentwicklung versuche ich unseren Entwicklern möglichst viele Entscheidungsbefugnisse zu geben und stehe ihnen als Experte mit Vorschlägen zur Seite.

Was ist deine Lieblingsprogrammiersprache und warum?

Mein absoluter Favorit ist nach wie vor Scala. Dabei schätze ich die Möglichkeiten der funktionalen Programmierung auf Basis der JVM. So lassen sich reale Probleme sehr effizient abstrahieren und man hat durch die Nähe zu Java dennoch die Möglichkeit allerlei Java SDKs einzubinden und zu verwenden, wenn man es benötigt. Alle größeren Backendsysteme der innFactory sind deshalb in Scala programmiert und nur bei kleineren Services greifen wir beispielsweise auf NodeJS, Go oder Python zurück. Sehr gespannt bin ich, wie sich Scala 3 entwickelt.