Management 3.0: Sind Manager schlauer als ihre Mitarbeiter?

Schon seit mehr als einem Jahr arbeiten wir nun an unserem Unternehmen innFactory. Dabei haben wir zahlreiche andere Unternehmer, Entscheider und Investoren getroffen. Viele waren Personen, die unzählige Stränge in den Händen halten und der Kopf von zum Teil mehreren tausend Mitarbeitern sind. Nach jedem Treffen mit solch wichtigen Personen und nach jedem längeren Gespräch stellt man fest, es sind auch nur Menschen. Dies widerspricht dem Vorurteil, das man oft als Jungunternehmer in sich trägt, dass Manager allwissend wären und mit einer Genialität ausgestattet sind, die ihres Gleichen sucht. Tatsächlich kommt man sehr schnell darauf, dass dieser Ansatz aus der alten Gründerära kommt. Die besagt, dass der Unternehmer ein Erfinder ist, der bei jedem Sturm die richtigen Segel setzt und seine Mitarbeiter stets in die richtige Richtung lenkt. Seine Entscheidungen sind absolut richtig und unanfechtbar. Durch seine Erfahrung kennt er auch den letzten Winkel des Marktes und seine Ideen sichern auch noch in 100 Jahren das unternehmerische Wachstum.

Woran merkt man, dass die Entscheider aus heutiger Zeit oft dem oben beschriebenen Ansatz aus dem Management 1.0 stammend, nicht entsprechen? Man merkt es z.B. auf Fuckup-Nights oder wenn man Managern beim Erzählen von überwundenen Krisen zuhört. Dort erkennt man, dass oft Hilfe von Mitarbeitern, externe Ratschläge oder gar Glück dabei waren, um eine schwierige Situation zu überwinden. Nach einem typischen „Fuckup“ kommt der nächste Anlauf, mit mehr Erfahrung und einer neuen Herangehensweise. Auch wir mussten diese Erfahrung mit „croGoDeal“ und dem Einzelhandel bereits machen.

Diese neue Denkweise, dass auch Manager, Gründer und andere Unternehmer Fehler machen und lebenslang dazu lernen müssen, kratzt gerade in Deutschland an dem alten Bild des Unternehmers, wie es einst die Gründer von Sennheiser oder Tchibo waren. Manager sind nämlich in der Zeit der Globalisierung, die eine enorme Steigerung der Komplexität und eine irrsinnig schnelle Taktung der Produktlebenszyklen mit sich bringt, nicht mehr länger fähig alleine am Markt zu bestehen. Deshalb ist es wichtig, dass man die Manager nicht mehr als die schlausten Menschen im Unternehmen betrachtet, sondern den Mitarbeitern in einem Teilstück des komplexen Konstruktes ihre Kompetenzhoheit gewährt und ihnen Elemente der Managementaufgaben überlässt.

Ein gutes Beispiel, das Jurgen Appelo in seinem Buch „Managing for Happiness“ anspricht, spielt in einem Krankenhaus. Ein Herzchirurg befasst sich nicht mit dem kompletten und unendlich komplexen System „Mensch“, sondern eben nur mit dem Herzen des Menschen und deren Zusammenhänge. So blendet er bei einer Herzoperation alle anderen Faktoren aus und konzertiert sich auf seine extrem schwierige Aufgabe. Nach der OP kümmert sich die Krankenschwester um die Genesung und das Wohlergehen des Patienten. Eine durchaus sehr komplexe Aufgabe, die viel Know-How aber auch Empathie und Feingefühl erfordert. Die Krankenhaus Leitung kümmert sich um finanzielle Mittel und um die Beauftragung der Renovierung des Westflügels. Wenn man nun nochmal die Frage stellt, ob Manager bzw. hier die Krankenhausleitung schlauer ist, als der Herzchirurg bzw. die Krankenschwester, erkennt man sofort, dass die Frage hinfällig ist. Firmen und Organisationen sind so komplex in ihren Teilbereichen, sodass nur ein selbstregulierendes System letztendlich steuerbar ist. Aufgaben von Firmenchefs werden im Management 3.0 auf viele Köpfe verteilt. Dazu ist großes Vertrauen und ein starker Zusammenhalt notwendig. Derzeit erzielen wir bei innFactory mit Retrospektiven und klassischen Teambuilding Events gute Fortschritte und werden uns immer wieder an anderen Elementen des Management 3.0 bedienen.

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